Jacky Ickx

Jacky Ickx (* 1. Januar 1945 in Brüssel; bürgerlich Jacques Bernard Ickx) ist ein ehemaliger belgischer Formel 1- und Sportwagen-Rennfahrer.

Er gilt als einer der vielseitigsten Rennfahrer, da er in seiner über 30-jährigen aktiven Zeit in den unterschiedlichsten Motorsport-Disziplinen antrat und Siege erringen konnte. Seinen Einstieg in den Motorsport machte Ickx bei Motorradrennen, worauf er 1963 belgischer Trial-Meister wurde.

1966 stieg er vom Motorrad auf Rennwagen um und konnte sofort einige Siege bei Langstreckenrennen erzielen. 1967 wurde er erster Europameister der neu gegründeten Formel 2 (später Formel 3000, heute GP2) Meisterschaft. Seinen ersten Einsatz in einem Formel-1-Grand Prix hatte er 1966 im Ken Tyrrell-Team mit einem Formel-2- Matra-Cosworth beim Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring. 1967 fuhr er für Ken Tyrrell mit einem 1,6-Liter Matra-Cosworth ebenfalls beim Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring, bevor er mit einem Cooper-Maserati die Grand Prix von Italien und der USA fuhr. In Monza erreichte Ickx mit einem 6. Platz seinen ersten WM-Punkt.

Auf Nebenrollen mag sich Jack Bernhard Ickx geboren 1945) nie einlassen. Er springt gleich mitten auf die Bühnen des großen Motorsports, mit seinem breiten lachen, unbekümmert und voller Chuzpe gegenüber berühmter Nahmen.

...1967, im zweiten Jahr der Dreiliter Formel 1 hat man das lichte Feld der Grand Prix Monoposti am Nürburgring mit Formel 2 wagen aufgefüllt. Mit Kent Tyrreells blauem Matra, ähnlich dem BMR 16 Zylinder von J. Stewart, fährt Ickx die drittbeste Trainingszeit. Diskriminiert durch die
Appartheitspolitik des Veranstalters AVD, sich hinter dem langsameren Formel 1 Auto anstellen zu müssen, liegt er nach runde 6 des Rennens trotzdem auf platz 4 bis schließlich seine Radaufhängung bricht.

Um auf der Nordschleife schnell zu sein, muss man 1967 große Sprünge machen, buchstäblich 15, manche von 10 Metern und mehr. Am Ring ist Jacky ein Meister, gewinnt dort insgesamt zwei seiner acht großen Erfolge. 1969 auf Brabham und 72 auf Ferrari - auf nasser Fahrbahn wird er zum Artisten. Was er drohend umwabert von Nebel- und Regenschwaden auf seiner Hausstrecke SPA 1967 im Mirage John Wyers zeigt, ist das werk von Akrobaten und aus seinem ersten GP Sieg 1968 in roten auf Ferrari hätte Antoine de Saint Exupery Literatur gemacht. Blindflug ohne Instrument.

Foto by Rainer W. Schlegelmilch

1968 wechselte der Belgier zu Ferrari und feierte am 7. Juli 1968 beim Grand Prix von Frankreich im verregneten Rouen seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Mit 23 Jahren war er der bis dahin zweitjüngste Fahrer nach Bruce McLaren, der 1959 bei seinem ersten Sieg gerade mal 22 Jahre alt war, der einen Grand-Prix-Sieg verbuchen konnte. Zwischen 1968 und 1979 errang er bei 116 Formel-1-Rennen acht Grand-Prix-Siege und wurde zweimal Vize-Weltmeister (1969 und 1970).
Legendär sind seine Erfolge bei den 24 Stunden von Le Mans, wo er 1969 trotz seines Bummelstreiks gegen den Startablauf (siehe Le-Mans-Start) gewann und bis 1982 noch weitere fünf Siege erringen konnte und den Beinamen "Monsieur Mans" erhielt. Dieser Rekord wurde erst 2005 von Tom Kristensen überboten. Hinzu kommen zahlreiche Siege bei Tourenwagenrennen, Bergrennen und Rallyes, darunter der Sieg der Rallye Paris-Dakar 1983 mit dem Schauspieler Claude Brasseur als Beifahrer. Darüberhinaus gewann Ickx die Langstreckenweltmeisterschaft in den Jahren 1982 und 1983.

Foto by Rainer W. Schlegelmilch

Als Paganini der langen strecken setzt Ickx unverrückbare Maßstäbe mit 50 Erfolgen - sechs davon in Le Mans. Am Ende ein Denkmal seiner Selbst. Jeder Zoll ein Star und unverwechselbarer Liebling des belgischen Volkes, schirmt er sich gelegentlich mit eisiger Arroganz gegen die Bürde der eigenen  Popularität ab. Lange Zeit sieht er unglaublich jung aus und ist es auch im Herzen: Daheim, inmitten seiner privaten Spielhölle von einarmigen Banditen, flippern und sonstigem elektronischen Schnickschnack, darf Mr. X wieder ganz ein Kind sein, das womit er früher aufgehört hat.

Mitte der 1990er Jahre zog er sich aus dem aktiven Motorsport zurück. Bis 1995 fuhr er noch Rallyes und Sportwagenmeisterschaften. Nach seinem Rückzug aus dem aktiven Motorsport blieb jedoch als Veranstalter verschiedener Rennen diesem Sport verbunden. Ickx war zwei Mal verheiratet und hat insgesamt fünf Kinder, unter anderem Tochter Vanina (* 16. Februar 1975 in Brüssel), die sich ebenfalls dem Rennsport verschrieben hat.


Text by Dakota / Rainer W. Schlegelmilch